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Missbrauchsfälle bei der DW

Missbrauchsfälle bei der DW

„Ich kannte niemanden in Berlin, war pleite. Ich dachte mir: Was soll schon passieren?"

Unter diesem Titel thematisierte die  Wochenzeit "Die ZEIT" am 1.8. 2019 Fälle von (sexuellem) Missbrauch und Vergewaltigung bei der Deutschen Welle. Mittlerweile sei ein Verfahren gegen einen ehemaligen Moderator bei der Berliner Staatsanwaltschaft anhängig.
Laut "ZEIT" wurde trotz der Vorwürfe und in Anwesenheit von Führungskräften der DW eine Abschiedsparty für den Moderator organisiert. Auch erwähnt die „ZEIT“ einen Brief von Mitarbeiter/innen der arabischen Redaktion an den Intendanten, der Demütigungen, Einschüchterung und weitere Missstände beklagt.

In einer öffentlichen Stellungnahme dementiert die DW lediglich, dass es ein Gutachten über Verdachtsfälle gegeben habe, wie in dem Artikel behauptet. Darüber hinaus weist sie darauf hin, dass die Geschäftsleitung im Mai 2018 eine interne Aufklärungskampagne initiiert habe. Auch sei es Teil der Unternehmenskultur, dass das "Vorbringen von konstrukiver Kritik oder nachvollziehbaren Vorwürfen nicht zu einer Benachteiligung führe". Die Stellungnahme konkretisiert weder, was konstruktive Kritik ist und was nicht, noch wer darüber entscheidet.

Hier könnten Personalräte eine wichtige Rolle spielen - doch die sind laut Bundespersonalvertretungsgesetz für den größten Teil der Mitarbeiter/innen, nämlich die „Freien“ überhaupt nicht zuständig! Kein Wunder, dass sich viele Beschäftigte fragen, wie die angestrebte Verbesserung der Unternehmenskultur in die Praxis umgesetzt werden soll, wenn bei Kritik möglicherweise doch Nachteile drohen, z.B. im Hinblick auf Umfang und Art der Beschäftigung.

Im letzten Jahr wurden beim WDR ähnlich gelagerte Fälle von Missbrauch bekannt. Immerhin wurde dort ein externes Gutachten erstellt und es folgte in Anbetracht des fehlerhaften Umgangs mit Missbrauch eine Entschuldigung des Intendanten.