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Untersuchung zur sozialen und beruflichen Situation von freien Mitarbeiter*innen bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten

Im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag hat Langer Media Consulting die soziale und berufliche Situation von freien Mitarbeiter*innen bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten untersucht. 2.601 Beschäftigte, von denen 2.200 freie Mitarbeiter*innen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind, haben die rund 100 Fragen bezogen auf ihre konkrete Beschäftigungssituation, Einkommen, Altersvorsorge, Arbeitsklima und Arbeitsbedingungen, beruflicher Perspektive aber auch Diskriminierungserfahrungen beantwortet. Das entspricht einer Rücklaufquote von 15%, ein vergleichbar guter Wert.

 

Auf der Pressekonferenz am 25.1.2019 wurden nun die wesentlichen Ergebnisse vorgestellt, ein Fazit kann gezogen werden:

  •  Mehrheitlich Schlechterstellung der freien Mitarbeiter*innen gegenüber Festen

    Das ergibt sich aus ungünstigeren Arbeitszeiten, mangelnder Qualifizierung / Weiterbildung, Einbußen im Krankheitsfall, unzureichendem Kündigungsschutz, unzureichender Altersversorgung usw. Das durchschnittliche Monatseinkommen freier Mitarbeiter*innen von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten liegt mit 3913 € nur knapp über dem 2017 mit 3771 € ausgewiesenen Durchschnittseinkommen von in Vollzeit abhängig beschäftigten Arbeitnehmer*innen in Deutschland.

  • Verschlechterung der Arbeitssituation durch Umstrukturierung

    85% der Befragten geben eine Verschlechteung der Arbeitssituation an, d.h. höhere Arbeitsbelastung bei gleichbleibender (60%) oder niedrigerer (28,4%) Vergütung. 56% berichten von hohen physischen und psychischen Belastungen. Besonders Cutter*innen, Reporter*innen und Redaktionsassistent*innen sind davon betroffen.

  • Ambivalenz bei Fragen nach Flexibilität und Attraktivität der Tätigkeit

    Ein gutes Drittel der Freien stimmt  "voll und ganz" bzw. "eher" zu, ungebunden und flexibel zu arbeiten. Ein weiteres Drittel sieht das "teilweise" so, der Rest "eher nicht" oder "überhaupt nicht". Ähnliche Ergebnisse ergeben sich aus der Frage nach spannender Tätigkeit (im Verhältnis zu Festangestellten). 

  • Lediglich 30% der Befragten bevorzugen freie Mitarbeit

    70% würden eine Festanstellung in gleicher Tätigkeit bevorzugen, 43% eindeutig, der Rest wenigstens tendenziell. Freie Mitarbeit wird als Beschäftigung zweiter Klasse wahrgenommen.

Von Seiten der Linken und der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die die Studie in Auftrag gegeben hatten, wurde die Notwenigkeit betont, politisch zu reagieren. Konkret wurden Maßnahmen zur sozialen Absicherung genannt, zudem die Forderung nach Vertretung von Freien durch Gremien wie Personalräte.

Die Ergebnisse bzgl. Diskriminierung wurden bereits vorgestellt. Siehe Artikel auf dieser website: Diskriminierungserfahrungen freier Mitarbeiter*innen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk 

 

Wo Zahlen Fakten belegen, wird die Situation durch subjektive Aussagen plastisch, die am Abend der Veröffentlichung während einer Diskussionsveranstaltung vorgetragen wurden:

"Das schlimmste für mich als freie Mitarbeiterin ist, dass ich mich quasi nicht krankschreiben lassen kann. Erst ab 8 Tagen bekommt man Krankengeld, was dazu sehr wenig ist. Wenn man in diesen Tagen mehr als eine Schicht hat, lohnt sich arbeiten finanziell mehr. Man schleppt sich also immer krank (auch sehr krank, auch hochansteckend) zur Arbeit. Das ist ein sehr hoher Druck."

"Ohne meine anderen Jobs wäre ich längst verhungert. Meine Familie ist an der Situation kaputtgegangen und meine Tochter kann ich nie richtig angemessen unterstützen."

"Ich weiß nie, was nächste Woche ist. Manchmal möchte ich gerne freimachen, ohne Reue."

 

Lesung Freie Klaus Barm Lesung / Einzelschilderungen
Podiumsdiskussion Klaus Barm Podiumsdiskussion