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Freie Mitarbeit und (Macht-) Missbrauch

Freie Mitarbeit und (Macht-) Missbrauch

Kein Sender innerhalb des ARD-Verbundes setzt so sehr auf freie Mitarbeit wie die DW. Freie Mitarbeit ersetzt dort in weiten Teilen die reguläre Tätigkeit in Festanstellung und ist in nicht wenigen Fällen arbeitsrechtlich fragwürdig.

Für viele kommt erschwerend hinzu, einerseits abhängig von der Beschäftigung bei der DW zu sein, andererseits unter dem Damoklesschwert von Kürzung oder gar Beendigung zu stehen. Beispielsweise wenn der Job durch Umstrukturierung in Frage gestellt wird. Oder wenn eine Aufenthaltsgenehmigung an die Beschäftigung bei der DW geknüpft ist. Bei einem Auslandsender mit 30 Sprachen nicht ungewöhnllich.

Eine Vertretung von "Freien" über Personalräte ist per Gesetz derzeit ausgeschlossen. Auch reagiert die Geschäftsleitung bisher meist schmallippig, wenn es um verbindliche Regelungen geht.

Vor diesem Hintergrund sind Fälle von Machtmissbrauch und sexuellem Missbrauch bei der DW zu sehen, die im Sommer 2019 in der Presse thematisiert wurden. Bei der Deutschen Welle gab es laut Zeitungsbericht eine Abschiedsparty für einen mutmaßlichen Täter und irreführende Erklärungen an die Mitarbeiter*innen.

Kurz zuvor waren bei anderen Sendern entsprechende Fälle bekannt geworden, so beim WDR. Im Unterschied zur DW entschuldigte sich der Intendant des WDR öffentlich und beauftragte Dr. Monika Wulf-Mathies mit einer Untersuchung der Vorfälle.

 

Immerhin hat die DW mittlerweile an beiden Standorten Rechtsanwältinnen beauftragt, an die sich Beschäftigte im Falle von sexuellem Missbrauch wenden können. Die Kontaktdaten werden im Intranet der DW unter dem Stichwort "#MeToo: Null Toleranz" genannt. Außerdem können sich Betroffene an die Vertrauensstelle THEMIS wenden, die allen Beschäftigten der ARD (also auch der DW) juristische und psychologische Hilfe und Beratung bietet.

Die Geschäftsleitung hat im Rahmen der #MeToo-Kampgne im Sommer 2018 einen Prozess der Veränderung angestoßen. Dabei hat sie sich ausdrücklich nicht nur auf sexuellen Missbrauch, sondern weitergehend auch auf Machtmissbrauch bezogen. Führungskräfte - Feedback, Workshops, Gespräche sind sicherlich ein Anfang. Aber sind sie ausreichend? Und wie glaubwürdig ist die DW in dem, was sie sagt? Dass mit dem bisher Geleisteten die vorhandenen Muster von Machtmissbrauch durchbrochen werden können, wird von vielen Mitarbeiter*innen bezweifelt, mehr Verbindlichkeit und Offenheit eingefordert.

Das spiegelt sich wider in dem am 10.12.2019 veröffentlichten  Artikel  "Die Freiheit nehm ich dir" , in dem die unterschiedlichen Perspektiven deutlich werden.

Die Position von ver.di DW ist eindeutig: Wir stehen hinter den prekär Beschäftigten - ob frei oder befristet beschäftigt - und fordern verbindliche Regelungen: für strukturelle Änderungen, um Machtmissbrauch und sexuellen Missbrauch zu verhindern und für ein professionelles Konfliktmanagement. Dazu gehört auch eine fundierte und professionelle Aufarbeitung des Vorgefallenen. Darüber hinaus sehen wir die Politik in der Pflicht, für die überfällige Vertretung der Freien in den Personalräten zu sorgen und setzen uns im Verbund mit anderen Gewerkschaften und Sendeanstalten für eine entsprechende Änderung des Bundespersonalvertretungsgesetzes ein. Denn Maßnahmen, die nur für Festangestellte überprüft werden können, sind dazu verdammt, von vornherein ins Leere zu laufen.